{"id":3827,"date":"2026-10-28T19:31:24","date_gmt":"2026-10-28T18:31:24","guid":{"rendered":"https:\/\/evang.si\/?p=3827"},"modified":"2026-10-28T19:31:24","modified_gmt":"2026-10-28T18:31:24","slug":"skof-dr-aleksander-ernisa-ob-prazniku-reformacije","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/evang.si\/de\/2026\/10\/28\/skof-dr-aleksander-ernisa-ob-prazniku-reformacije\/","title":{"rendered":"Bischof Dr. Aleksander Erni\u0161a zum Reformationstag"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gl\u00e4ubige der Evangelischen Kirche A. B. in Slowenien,<br \/>\nliebe Freundinnen und Freunde,<br \/>\nliebe Sloweninnen und Slowenen.<\/p>\n<p>Der Reformationstag gibt uns Anlass, stolz auf unseren evangelischen Glauben, unsere Kirche und das Erbe der Reformatoren zu sein. Dieser Stolz beruht jedoch nicht auf der \u00dcberzeugung, besser als andere zu sein, sondern auf der Dankbarkeit f\u00fcr das Evangelium, das uns anvertraut wurde. Die Reformation f\u00fchrt uns zu einer wesentlichen Frage zur\u00fcck: Was befreit den Menschen wirklich, gibt ihm W\u00fcrde und erm\u00f6glicht ihm ein Leben in Vertrauen, Hoffnung und Liebe?<br \/>\nMit der Wiederentdeckung der zentralen biblischen Botschaft betonte Martin Luther, dass der Mensch sich nicht durch eigene Verdienste, gute Werke oder religi\u00f6se Leistungen erl\u00f6sen kann. Gottes Gnade ist kein Lohn f\u00fcr unsere Vollkommenheit, sondern ein Geschenk, das wir im Glauben an Jesus Christus empfangen. Die Grundgedanken der Reformation sind daher klar: allein die Heilige Schrift, allein aus Gnade, allein durch den Glauben, allein Christus und allein Gott die Ehre. Diese f\u00fcnf Grunds\u00e4tze sind nicht blo\u00df historisches Erbe des Luthertums, sondern die lebendige Mitte unseres Glaubens.<\/p>\n<p>Was bedeutet das f\u00fcr die Menschen heute? Es bedeutet, dass wir unseren Wert nicht st\u00e4ndig beweisen m\u00fcssen \u2013 weder vor Gott noch vor anderen Menschen. Unser Wert h\u00e4ngt nicht von gesellschaftlicher Stellung, Verm\u00f6gen, Erfolg, Herkunft oder dem Urteil anderer ab. In Christus sagt Gott uns, dass wir geliebt und angenommen sind. Diese Freiheit ist jedoch keine Erlaubnis zur Gleichg\u00fcltigkeit, sondern eine Einladung zur Verantwortung. Wer wei\u00df, dass er selbst Gnade empfangen hat, kann anderen mit mehr Verst\u00e4ndnis, Geduld und Mitgef\u00fchl begegnen.<br \/>\nGerade deshalb ist das Einbeziehen anderer eine so wichtige Frucht des reformatorischen Glaubens. Die Kirche ist keine Gemeinschaft vollkommener Menschen, die wegen ihrer Fehlerlosigkeit zusammenkommen, sondern eine Gemeinschaft von Menschen, die aus Gottes Gnade leben. In ihr muss Raum sein f\u00fcr Menschen mit festem Glauben ebenso wie f\u00fcr Suchende, Zweifelnde und Fragende; f\u00fcr Menschen, die die Bibel kennen, ebenso wie f\u00fcr jene, die den Zugang zu ihr erst suchen; f\u00fcr Menschen, die im Leben Halt gefunden haben, ebenso wie f\u00fcr jene, die von Schmerz, Einsamkeit oder Verlust gepr\u00e4gt sind. Das Evangelium lehrt uns, Menschen nicht zuerst einzuordnen, sondern sie als Menschen zu sehen, denen W\u00fcrde und Liebe geb\u00fchren.<br \/>\nDas bedeutet nicht, dass es gleichg\u00fcltig w\u00e4re, was wir glauben. Im Gegenteil: Die lutherische Theologie lehrt uns, immer wieder zur Heiligen Schrift zur\u00fcckzukehren und zu pr\u00fcfen, ob unsere Worte, Entscheidungen und Taten tats\u00e4chlich Christus bezeugen. Die Reformation war nicht nur ein historisches Ereignis, sondern auch eine Erneuerungsbewegung, die es der Kirche nicht erlaubt, sich mit sich selbst zufriedenzugeben. Die Kirche erneuert sich, um dem Evangelium treu zu bleiben und es den Menschen ihrer Zeit verst\u00e4ndlich zu verk\u00fcnden.<\/p>\n<p>Auch in Slowenien hat die Reformation unausl\u00f6schliche Spuren hinterlassen. Primo\u017e Trubar brachte den Menschen das Evangelium in slowenischer Sprache nahe, Jurij Dalmatin hinterlie\u00df uns eine \u00dcbersetzung der Heiligen Schrift, und \u0160tefan K\u00fczmi\u010d erschloss den Slowenen im Prekmurje das Wort Gottes. Ihr Wirken pr\u00e4gte unsere Sprache, Kultur, Bildung und unser nationales Bewusstsein. Als Evangelische d\u00fcrfen wir stolz auf eine Tradition sein, die Treue zum Evangelium mit Mut, Bildung und Verantwortung f\u00fcr die Gemeinschaft verbindet. Dieses Erbe verpflichtet uns zugleich, es zu leben und weiterzugeben.<\/p>\n<p>Die Reformation l\u00e4dt uns heute dazu ein, neu dar\u00fcber nachzudenken, was wir f\u00fcr besonders wertvoll halten. Martin Luther warnte davor, dass unser Gott oft das ist, woran wir unser Herz h\u00e4ngen und worauf wir unser Vertrauen setzen. Geld, Ansehen, Macht und Anerkennung k\u00f6nnen schnell wichtiger werden als der Mensch. Das Evangelium f\u00fchrt uns jedoch zu Christus zur\u00fcck, der seine Liebe gerade in der Sorge f\u00fcr die Schwachen, Ausgeschlossenen und \u00dcbersehenen zeigte.<br \/>\nDer Reformationstag m\u00f6ge deshalb mehr sein als eine Erinnerung an die Vergangenheit: ein Fest der Dankbarkeit f\u00fcr den Glauben, der uns von Angst befreit, des Mutes, f\u00fcr die Wahrheit einzustehen, und der Liebe, die uns f\u00fcr unsere Mitmenschen \u00f6ffnet. Unsere Evangelische Kirche m\u00f6ge ein Ort des lebendigen Wortes Gottes, des aufrichtigen Gespr\u00e4chs, des gegenseitigen Respekts und der Annahme sein. Seien wir stolz auf unsere Wurzeln und noch mehr auf die Fr\u00fcchte, die aus ihnen wachsen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eStati inu obstati\u201c \u2013 fest im Evangelium stehen, um offen auf den Menschen zugehen zu k\u00f6nnen. Darin liegt die Kraft der Reformation, darin besteht unser Auftrag und der Glaube, den wir vertrauensvoll an kommende Generationen weitergeben m\u00f6chten.<\/p>\n<p>Zum Reformationstag gratuliere ich allen Sloweninnen und Slowenen, allen Evangelischen und allen, denen das Erbe der Reformation am Herzen liegt. Dieses Erbe m\u00f6ge uns verbinden, unser Glaube uns f\u00fcr unsere Mitmenschen \u00f6ffnen und unser Zeugnis auch kommenden Generationen den Reichtum des Evangeliums erschlie\u00dfen. Einen gesegneten Reformationstag!<\/p>\n<p>Dr. Aleksander Erni\u0161a, Bischof der Evangelischen Kirche A. B. in Slowenien<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gl\u00e4ubige der Evangelischen Kirche A. B. in Slowenien, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Sloweninnen und Slowenen. Der Reformationstag gibt uns Anlass, dankbar auf unseren evangelischen Glauben, unsere Kirche und das Erbe der Reformatoren zu blicken. Dieser Stolz beruht nicht darauf, uns f\u00fcr besser als andere zu halten, sondern auf Dankbarkeit f\u00fcr das Evangelium \u2026<\/p>","protected":false},"author":5,"featured_media":3832,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[41],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/evang.si\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3827"}],"collection":[{"href":"https:\/\/evang.si\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/evang.si\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evang.si\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evang.si\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3827"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/evang.si\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3827\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3831,"href":"https:\/\/evang.si\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3827\/revisions\/3831"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/evang.si\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3832"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/evang.si\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3827"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/evang.si\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3827"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/evang.si\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3827"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}